
Zahlen & Fakten – Depressionen, Arbeitswelt, Suizidalität (Deutschland)
Diese Seite bündelt zentrale Kennzahlen, damit klar wird: Depressionen sind in Organisationen real und sie verursachen nicht nur persönliches Leid, sondern auch messbare Schäden in Leistung, Zusammenarbeit und Führung.
1) Depressionen in Deutschland – wie häufig ist das? Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.
12-Monats-Prävalenz (bevölkerungsrepräsentativ): ca. 6,0 % (DEGS1; Frauen höher als Männer). (edoc.rki.de)
Ärztlich diagnostizierte Depression in den letzten 12 Monaten (GEDA 2014/2015): 9,7 % der Frauen
und 6,3 % der Männer berichten eine ärztliche Depressionsdiagnose im letzten Jahr. (edoc.rki.de)
(Hinweis: Je nach Erhebungsmethode – Diagnoseinterview, Selbstbericht, Kassendaten – unterscheiden sich Zahlen. Die Kernaussage bleibt: Depressionen sind häufig.) (edoc.rki.de) 2)
Einfluss auf die Arbeitswelt – sichtbar und unsichtbar
A) Sichtbar: lange Ausfallzeiten - Psychische Erkrankungen haben im Vergleich die längsten Arbeitsunfähigkeitszeiten.
Ø 28,5 AU-Tage je Fall (2024) – mehr als doppelt so lang wie viele andere Diagnosegruppen. (wido.de)•
Auch in WIdO-Auswertungen für 2023 liegen psychische Erkrankungen mit Ø 28,1 Tagen je Fall deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. (wido.de)
DAK (2024): Depressionen verursachten 183 Fehltage je 100 Beschäftigte (DAK-Versichertendaten). (DAK Gesundheit Home)B) Unsichtbar (oft der größere Schaden): „Anwesend, aber nicht leistungsfähig“ (Präsentismus)Der wirtschaftliche Hauptschaden entsteht häufig nicht erst, wenn Menschen fehlen – sondern wenn sie trotz Erkrankung anwesend sind und Leistung, Kommunikation und Entscheidungsfähigkeit deutlich sinken.
BAuA-Review: Präsentismuskosten sind in Studien „beträchtlich“ und häufig höher als Absentismuskosten.(BAuA)
BAuA-Kurzbericht betont: Präsentismus kann beträchtliche Kosten für Unternehmen nach sich ziehen. (BAuA)
Deutschland (IAB-Forum, Datenauswertung): 54,6 % gaben an, mindestens einmal pro Jahr krank zur Arbeit zu gehen; im Schnitt 6,3 Tage Präsentismus pro Beschäftigtem. (IAB-Forum)Warum das so teuer ist (auch ohne Krankschreibung):Depression zeigt sich im Arbeitsalltag oft als „Leistungsschatten“: Konzentrations- und Energieverlust, höhere Fehlerquote, Rückzug, Reizbarkeit, mehr Konflikte, mehr Bindungsverlust im Team. Genau deshalb ist Gesprächsfähigkeit (und ein professioneller Rahmen) nicht „nice to have“, sondern ein Schutzfaktor für Produktivität und Kultur. 3) Suizide in Deutschland – amtliche Zahlen
2024: 10.372 Suizide in Deutschland (Statistisches Bundesamt). (Destatis)
Verteilung 2024: ca. 71,5 % Männer und 28,5 % Frauen. (Destatis) 4) Suizidversuche – warum es hier meist nur Schätzungen gibtSuizidversuche werden deutlich schlechter erfasst als Suizide (weil es kein einheitliches, vollständiges Meldesystem gibt). Deshalb arbeiten viele Stellen mit begründeten Größenordnungen.
Deutschland: häufig genannte Größenordnung ~100.000 Suizidversuche pro Jahr (u. a. im Abschlussbericht zur Suizidprävention). (BMG)
Auch Fachorganisationen nennen „ungefähr 100.000“ als Richtwert. (suizidpraevention.de) Warum diese Zahlen auf einer Unternehmensseite stehenWeil sie zeigen: Depressionen und Suizidalität sind nicht „Privatsache am Rand“, sondern Teil der Realität in Teams, Führung und Organisationen. Unternehmen müssen keine Therapie leisten – aber sie können (und sollten) einen sicheren, professionellen Rahmen schaffen:damit Warnsignale früher sichtbar werden damit Führungskräfte wissen, wie man anspricht, ohne zu therapieren damit Verantwortung nicht beim Einzelnen hängen bleibt, sondern strukturell getragen wird
Hinweis & HilfeWenn du selbst gerade betroffen bist oder dir Sorgen um jemanden machst:TelefonSeelsorge 116 123 (kostenfrei, 24/7). In akuter Gefahr 112.