
„Der gescheiterte Selbstmord – mein neuer Anfang“
“Wenn ich heute an meinem Schreibtisch sitze, um zu schreiben, tu ich das aufgrund der Empfehlung von vielen, vielen Menschen. Warum haben mir die Menschen das empfohlen? Weil sie möglicherweise fasziniert sind von meiner Geschichte und von dem, was ich zu sagen habe. Wenn ich darüber nachdenke, stelle ich fest, dass ich gar nicht weiß, ob ich so viel zu sagen habe. Oder sie vermuten, dass es mir gut tun würde zu schreiben. Ja, ich habe festgestellt, dass mir Schreiben guttut. Sonst hätte ich wohl vor und nach meinem Sprung keine Gedichte geschrieben. Gedichte, die mir heute seismographische Dokumente meines Seelenzustandes sind.
Tatsächlich würde ich gerne ein Buch schreiben, bei dem ich das Ende bereits kenne. Nur kenne ich das Ende noch nicht. Ich bin noch mittendrin. Auch wann und wie alles angefangen hat, ist mir heute nicht klar. Ich bin noch auf der Suche, durchaus wissend, dass ich den Beginn wahrscheinlich nie finden werde. Ist er wichtig?
Der Fall
Also beginne ich mittendrin. Am 1.9. des Jahres 2022 habe ich den Entschluss gefasst, mich aus dem 5. Stock meines Hauses auf den Asphalt zu werfen und dadurch zu versuchen meinem Leben ein Ende zu setzen. Erfolglos.
Kurz nachdem ich aus dem Fenster gesprungen war, hat mich ein Nachbar auf dem Boden liegend gefunden und hat alles Notwendige eingeleitet, um mein Leben zu retten und er war erfolgreich. So wachte ich also einige Stunden oder Tage nach dem Sprung in der Intensivstation im Krankenhaus auf. Zerschmettert, niedergeschlagen, depressiv und hadernd mit der Tatsache, dass ich noch lebte. Die Diagnosen: Offener Bruch des Sprunggelenkes links, gebrochenes Sprunggelenk rechts, beide Schienbeine und beide Wadenbeine gebrochen, 9 Rippen gebrochen, 4 Lendenwirbel gebrochen, beide Lungen kollabiert. Aber wundersamerweise am Leben. Ohne Querschnittlähmung. Ich bin heute sehr dankbar für die Reaktion meines Nachbarn und für die großartige Arbeit der Rettungssanitäter und Notärzte. Ohne diese Menschen wäre ich heute tot oder im Rollstuhl.
Die ersten Tage im Krankenhaus, in der Intensivstation, sind nur lückenhaft in meinem Kopf verankert. Tatsächlich war ich zu dieser Zeit so stark unter Schmerzmitteln, dass meine Wahrnehmung sehr eingeschränkt war. Ich kann mich noch an einen Vorfall erinnern, in dem ich eine Krankenschwester angeschrien habe, warum sie mich entführt habe. Ich sah die Krankenschwester vor einer Wand aus Feuer und hatte selbst den Eindruck aufrecht im Bett zu stehen und nicht zu liegen…….